Weißes Rauschen
GANT REPORTAGE

Weißes Rauschen

In seinen Schwarzweiß-Gemälden fängt der Londoner Künstler James White Eindrücke aus dem alltäglichen Leben ein. Mit außergewöhnlicher Geduld bringt er einfach Szenen, wie eine auf dem Waschbecken stehende Wasserflasche oder eine leicht angelehnte Tür auf die Leinwand.

  • Was fasziniert dich an den düsteren Szenen, die du in deinen Werken darstellst?
    Ich denke, man macht es sich zu einfach, wenn man die Bilder als bedrückend beschreibt. Damit sie so funktionieren, wie ich mir das vorstelle, müssen sie einen Gegenstand thematisieren – falls diese Erklärung irgendeinen Sinn ergibt. Es ist wichtig, dass nichts besonders Auffallendes auf dem Gemälde zu sehen ist, denn in meiner Arbeit dreht sich alles um subtile Andeutungen. Natürlich ist nichts Besonderes an einer gefalteten Zeitung, die auf dem Tisch liegt, oder einem halb vollen Wasserglas, doch wenn man das Ganze im Kontext einer Tatortfotografie betrachtet, entfalten diese Dinge eine andere Wirkung. Besonders meine neueren Gemälde betonen dieses psychologische Element – ich versuche ein unterschwelliges, Hitchcock-artiges Gefühl von Grauen zu erzeugen.

    Du verwendest in deinen Werken beinahe ausschließlich Schwarz und Weiß. Warum?
    Ich möchte nicht, dass die Farben vom Wesentlichen ablenken. Mir ist es wichtig, dass die Bilder nicht durch künstlerische Ausschmückungen jeglicher Art unterminiert oder infiziert werden. Der Stil muss so anonym wie möglich sein, damit die Bilder die Resonanz erzeugen, die ich erreichen möchte.
    Wenn ich ein Wochenende lang in London bin und neue, aufregende Kunst ¬entdecken möchte – was würdest du mir raten?
    Nun, da gibt es natürlich die Tate Modern mit ihren neuen Galerien, doch ich liebe den Spaziergang durch den Park hinauf zur Serpentine Gallery. Meine alten und neuen Ausstellungsorte, die Whitechapel Gallery und die South London Gallery, sind ebenfalls beides großartige Adressen, um neue Kunst zu entdecken.

  • Du verwendest für deine Gemälde keine traditionellen Leinwände, warum?
    Ich male auf Sperrholzplatten, Aluminium, und seit Kurzem auch auf ¬Perspex. Ich habe noch nie wirklich auf Leinwand gearbeitet, nicht einmal auf der Kunsthochschule. Es schien einfach falsch, ich wollte mich nicht mit der Struktur der Leinwand auseinandersetzen und Stunden damit verbringen, Farbschicht über Schicht aufzutragen, um diese Struktur verschwinden zu lassen
     die Gemälde an sich nehmen schon genug Zeit in Anspruch.

    Woran arbeitest du zur Zeit?
    An einer Einzelausstellung für die Blain Southern in London.

    Text
    Sofie Zettergren

    Foto
    Anna Schori

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