WILLKOMMEN IM CLUB
GANT REPORTAGE

WILLKOMMEN IM CLUB

Ein Blick in die exklusive Welt der Londoner Private Member Clubs.


Die Reichen und Schönen haben sich schon immer in exklusiven Clubs getroffen. In London scheint die Anziehungskraft traditioneller Private Member Clubs bis heute ungebrochen. Eddie Hart ist einer der drei Brüder, die den historischen Club Quo Vadis leiten. Er befindet sich in einem dreistöckigen Gebäude auf der Dean Street in Soho, in dem einst Karl Marx lebte und die ersten Zeilen von Das Kapital aufs Papier brachte.

 „Der italienische Geschäftsmann und Gastronom Pepino Leoni kaufte das Gebäude im Jahr 1926 und die Londoner Elite strömte schon damals in Scharen ins Quo Vadis“, erläutert Hart. „Man sagt, dass Leoni jedes Jahr 40.000 Weihnachtskarten verschickte. Er war offensichtlich ein Mann mit vielen Freunden.“


  • Die Reichen und Schönen haben sich schon immer in exklusiven Clubs getroffen. In London scheint die Anziehungskraft traditioneller Private Member Clubs bis heute ungebrochen.
     Eddie Hart ist einer der drei Brüder, die den historischen Club Quo Vadis leiten. Er befindet sich in einem dreistöckigen Gebäude auf der Dean Street in Soho, in dem einst Karl Marx lebte und die ersten Zeilen von Das Kapital aufs Papier brachte.

     „Der italienische Geschäftsmann und Gastronom Pepino Leoni kaufte das Gebäude im Jahr 1926 und die Londoner Elite strömte schon damals in Scharen ins Quo Vadis“, erläutert Hart. „Man sagt, dass Leoni jedes Jahr 40.000 Weihnachtskarten verschickte. Er war offensichtlich ein Mann mit vielen Freunden.“

     Zu jener Zeit waren die Londoner Clubs für wohlhabende Männer reserviert, die ihrem Familien- und Arbeitsalltag beim Rauchen und Trinken in guter Gesellschaft entfliehen wollten. Bis in die Fünfzigerjahre hinein war Frauen und Personen bestimmter sozialer und ethnischer Herkunft der Zutritt verwehrt. Dies ist zum Glück nicht mehr der Fall und viele Clubs haben eine große Bandbreite an Mitgliedern – obwohl man noch stets die richtigen Verbindungen braucht, um aufgenommen zu werden.

     Früher galt es als vulgär, im Club zu arbeiten, doch heute nutzen viele Mitglieder den Club tagsüber als Arbeitsplatz.  
     „Tagsüber sind Laptops und Smartphones erlaubt, doch abends geht es darum, Leute zu treffen. In Zukunft wird es vielleicht möglich, Clubs gegen eine Gebühr als Freelance-Büros zu nutzen“, sagt Hart.

     Der Club ist nicht nur ein Ort, wo einen jeder beim Namen kennt, er bietet auch ein luxuriöses Ambiente und kulinarische Erlebnisse. Im Erdgeschoss befindet sich das beliebte Restaurant Barrafina.

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  • Sag mir, welchen Club du besuchst, und ich sage dir, wer du bist. Diese ungeschriebene Regel scheint auch heute noch zu gelten. Musiker und Künstler schwärmen seit Jahrzehnten in den Groucho Club, während sich die glamouröse Modewelt im Soho House trifft. Der britische Künstler Damien Hirst war einst Miteigentümer des Quo Vadis, das bis heute durch seine künstlerische Atmosphäre besticht.

     „Aufgrund unserer Lage in Soho würde ich sagen, dass die meisten hier in der Medien- und Kunstbranche arbeiten“, so Hart. „Man muss von zwei bestehenden Mitgliedern als Neumitglied vorgeschlagen werden. Pro Jahr kostet die Mitgliedschaft 500 Pfund und dafür bekommt man quasi eine zweite Heimat. Die Leute haben heute keine persönliche Beziehung mehr mit dem lokalen Metzger oder der Bäckersfrau, und ich glaube vielen fehlt diese Art von vertrauter Umgebung. Wer hier zu Mittag isst oder einen Drink bestellt, weiß, dass die Mitarbeiter ihn mit Vornamen ansprechen, seinen Lieblingsdrink kennen und fragen, wie es den Kindern geht.“

     Die Brüder kauften den Club direkt vor der Finanzkrise und mussten ihr Konzept schon mehrere Male den Änderungen der Zeit anpassen.
     „Selbst wenn unsere Mitglieder nicht persönlich oder finanziell betroffen waren, gab es eine Veränderung darin, was gesellschaftlich akzeptiert wird. Niemand wollte bei einem teuren Mittagessen mit jeder Menge Wein gesehen werden, denn das schien unangemessen angesichts der Tatsache, dass Menschen ihre Jobs und Häuser verloren. Die Geschäftskultur hat sich in den letzten Jahren grundlegend verändert.“

     Doch Hart hofft, dass die Londoner Clubs nach Feierabend genau das bleiben werden, was sie schon immer waren: ein Ort für Cocktails und gute Gesellschaft, eine Spielwiese für alle mit Rang und Namen – oder jene, die immerhin zwei Menschen kennen, die wieder jemanden kennen, und so weiter.

    Text: Sofie Zettergren
    Foto: Anna Schori

     

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