GANT LOOKOUT - FRÜHJAHR/SOMMER

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IM REICH DER FEDERSTIFTE



  • In einer Zeit, in der die Menschen über Email und Textnachrichten kommunizieren,
    könnte man annehmen, dass Federstifte der Vergangenheit angehörten.
    Ein Besuch bei Fountain Pen Hospital beweist jedoch schnell das Gegenteil.

     


  • Jegliche Bedenken den Markt der Federstifte betreffend sind schnell verflogen, wenn man Fountain Pen Hospital besucht. Dieser Laden in Lower Manhattan liefert den New Yorkern seit über 70 Jahren wunderschöne Schreibinstrumente. Nach Aussage des Eigentümers Terry Wiederlight zeigt der Markt keinerlei Anzeichen der Schwäche.

    „Mein Vater und mein Großvater haben diesen Laden im Jahr 1946 eröffnet“ sagt er. „Zu jener Zeit befand er sich noch um die Ecke von hier. In den 1970ern waren Federstifte aus der Mode gekommen und wir haben einen Großteil der Büromaterialien verkauft, um das Unternehmen zu retten. Als mein Bruder und ich den Laden in den 1980ern übernahmen, trennten wir uns dann ganz vom Bürobedarf und konzentrierten uns ausschließlich auf Federstifte.“

    Im Fountain Pen Hospital kann man unzählig viele, unterschiedliche Modelle ausprobieren. Während er spricht, hält Terry seinen liebsten Stift in der Hand - einen schwarzen, italienischen Füllfederhalter mit einer aufwendig gearbeiteten Goldfederspitze; er ist jedoch diplomatisch genug, den Hersteller nicht zu nennen. Hier gibt es alles vom Tintenkuli bis zum Tuschezeichner, spezialisiert hat sich die Firma jedoch auf Füllfederhalter. Es gibt neue Modelle, Vintage Modelle, Limited Editions, und die Preise variieren von ein paar bis hin zu mehreren Tausend Dollar.

    „Wir verkaufen mehr Füllfederhalter als alle anderen Stile zusammen“, sagt Terry. „Ich nehme an, es liegt an dem sentimentalen Gefühl, das wir mit den Füllfederhaltern verbinden.“


    "Es gab einmal 14 Geschäfte für Federstifte in New York City, heute gibt es nur noch uns. Wir verkaufen viel über das Internet und nutzen Twitter und die Sozialen Medien.


    Sind Ihre Kunden primär Schreiberlinge oder Sammler?
    Beides. Es gibt Sammler, die leidenschaftlich gerne schreiben, und auch Sammler, die einfach die Stifte lieben. Und dann gibt es diejenigen Kunden, die einfach einen hübschen Stift suchen.

     

    Wie hält man das Geschäft in Schwung, wenn handgeschriebene Zeilen keine Bedeutung mehr zu haben scheinen und viele vergessen haben, wie man einen Federstift überhaupt nutzt?
    Nun ja, man macht einfach weiter. Es gab einmal 14 Geschäfte für Federstifte in New York City, heute gibt es nur noch uns. Wir verkaufen viel über das Internet und nutzen Twitter und die Sozialen Medien, und wir bringen noch immer jedes Jahr einen Katalog raus. Das Geschäft läuft gut, und wir haben heute mehr junge Kunden als noch vor einigen Jahren.




  • Welcher ist der Rolls-Royce unter den Federstiften?
    Montblanc ist die angesagteste Marke. Ihre Limited Editions sind in den Augen der Sammler pures Gold.

     

    Wieviel kostete der teuerste Stift, den Sie je verkauft haben?
    Vor einigen Jahren haben wir einen Stift für $80.000 an einen Mann aus Taiwan verkauft.

     

    Was macht einen Stift so wertvoll?
    Abgesehen von der Marke und der Seltenheit eines Stils ist es hauptsächlich das Material. Bei diesem wurde Diamant und Gold verarbeitet.

     

    Wenn ich eine Sammlung anlegen möchte, womit sollte ich anfangen?
    Zunächst würde ich Sie nach Ihrem Budget fragen und dann schauen wir uns gemeinsam im Laden um. Sie können unterschiedliche Modelle und Marken ausprobieren und schauen, was sich in Ihrer Hand gut anfühlt. Das ist immer ein guter Einstieg.

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    Haben Sie viele Stars als Kunden?
    Meryl Streep, Alicia Keys und Tom Hanks kaufen hier manchmal ihre Stifte.

     

    Ist das Sammeln von Stiften eher eine Männer-Domäne?
    Nein, nicht mehr. Verstehen Sie mich nicht falsch, die meisten unserer Kunden sind noch immer Männer, aber wie sehen auch zunehmend Frauen, die Stifte sammeln

     

    Auf meinem Weg aus dem Geschäft spreche ich kurz mit einer älteren Dame, die sich in einer der Auslagen die Füllfederhalter ansieht als seien sie Schmuckstücke. Sie sagt mir, dass sie in der Woche bereits zum dritten Mal in dem Laden sei. Sie kann sich einfach noch nicht entscheiden; sie will sich bei der Wahl sicher sein.

     

    „Stellen Sie sich vor, Sie schreiben Ihren Liebsten; das ist doch wichtig“, sagt sie. „Ich will einen Stift, der mir hilft, meine Gefühle auszudrücken. Ich schreibe meine Briefe an Freunde in Tel Aviv noch immer von Hand. Ich könnte auch emailen, nehme ich an, doch das wäre nicht dasselbe. Stellen Sie sich nur vor, jemand würde etwas so Bedeutsames wie ‚Verzeih mit‘ oder ‚Ich liebe dich‘ in einer Email schreiben! Worte haben mehr Kraft, wenn sie von Hand geschrieben sind.“

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