VOM LEBEN INSPIRIERT
GANT REPORTAGE

VOM LEBEN INSPIRIERT

New York ist voller Menschen, die das vorbeiströmende Leben beobachten und in Kunst verwandeln. Sofie Zettergren trifft drei Illustratorinnen, die ihre Sicht der Dinge durch Farben und Linien zum Ausdruck bringen.

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  • Vor einigen Jahren nahm ich den L-Zug von Manhattan nach Brooklyn. Es war Spätsommer und in dem überfüllten Abteil war es stickig. An der First Avenue stieg ein großer, gut aussehender Mann in Shorts und T-Shirt ein. Er trug eine Sporttasche, sein Haar war noch nass vom Duschen. Mir fiel aus, wie glücklich er aussah. Er setzte sich hin, nahm sein iPhone aus der Tasche und begann, seine Nachrichten zu lesen. Nach wenigen Sekunden sah er auf und starrte aus dem Fenster, als könne er nicht glauben, was er soeben gelesen hatte. Er senkte seinen Blick und seine Augen füllten sich mit Tränen. Als ich an der Bedford Avenue ausstieg, liefen ihm die Tränen über die Wangen.

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Ich weiß nicht, was es war, das diesem Fremden auf der kurzen Strecke über die Williamsburg Bridge das Herz brach. Einige Tage später jedoch sah ich in einer kostenlosen Zeitung genau diese Szene in einem kleinen Cartoon. Jemand anders hatte wohl die gleiche Szene beobachtet und sie in ein kleines Kunstwerk verwandelt. Von diesem Erlebnis angeregt haben wir uns mit drei Illustratorinnen aus New York getroffen, um mit ihnen über Kreativität und ihre Inspirationsquellen zu reden.

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  • JENNY MÖRTSELL

    Jenny Mörtsell lebt mit ihrem Freund und ihrer kleinen Tochter in Bushwick, Brooklyn. Inspirationen findet sie hier an jeder Ecke, egal ob sie im Park joggen geht, durch eine Zeitschrift blättert, einen Laden in Brooklyn durchstöbert oder einfach nur die Leute beobachtet.

    „Einer der Gründe, warum ich NYC so liebe, ist, dass man sich wie im Auge des Sturms fühlt – hier passiert einfach so viel“, sagt sie. „Das schenkt mir eine innere Ruhe, die ich sonst noch an keinem Ort verspürt habe. Wenn ich einmal genug von dem Lärm, den Lichtern und den Menschenmassen habe, entfliehe ich in den Highland Park, um den Kopf frei zu bekommen.“

    Jennys Bleistiftportraits und Stillleben wurden bereits in Publikationen wie Lula, der New York Times und Nylon veröffentlicht. In jüngster Zeit fokussiert sich ihre Arbeit eher auf webbasierte Inhalte für Start-ups in der Mode-, Beauty- und Gesundheitsbranche, anstatt auf traditionelle Modeillustrationen. Sie zeichnet auch Partygäste für Modemagazine.

    Entdecken Sie Jennys Arbeiten unter www.jennysportfolio.com





  • HEYSU LEE

    Trotz der Tatsache, dass Heysu Lee für Kunden wie Apple, Toyota und Chobani Joghurt arbeitet, sieht sie ihre Stärke darin, dass sie eine schlechte Zeichnerin ist.
    „Ich habe versucht, formvollendete Skizzen und lebensnahe Figuren zu zeichnen, aber ich bin einfach schlecht darin. Als ich in London zur Schule ging, waren meine Professoren besorgt, dass ich keinen Job finden würde. Zu dieser Zeit waren Kunden vor allem an schönen, eleganten Zeichnungen interessiert, die den Stil der Fotografie imitierten. Meine Illustrationen waren dagegen abstrakt und bewusst hässlich. Jetzt weiß ich, dass genau diese Hässlichkeit den Charme und die Einzigartigkeit meiner Zeichnungen ausmacht. Das ist einfach mein Stil.“

    Heysu Lee wurde in Südkorea geboren, hat in London studiert und lebt heute in Bushwick, Brooklyn. Die Bevölkerung New Yorks ist ihre größte Inspiration: „Heute Morgen in der U-Bahn ist mir aufgefallen, wie viele Hände unterschiedlicher Größe und Hautfarbe sich an einer der Stangen festhielten. Das fand ich so schön,
    dass ich direkt eine Illustration davon angefertigt habe.“

    Entdecken Sie Heysus Arbeiten unter www.heyheysu.com

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    SARA SINGH

    Vielleicht haben Sie Sara Singhs fließenden Aquarell- und Tuschezeichnungen schon in der Vogue oder Elle gesehen. Oder ihre Arbeiten für Neiman Marcus, Bergdorf, Jil Sander und Givenchy.


    „Ich denke, dass man mit einem gewissen Zeichenstil geboren wird. Das hat mit deinen Muskeln und deinem ganzen Wesen zu tun. Man kann diesen Stil in verschiedene Richtungen entwickeln, aber er lässt sich nur sehr schwer ändern.“ Nach ihrer Ausbildung zur Modedesignerin in Stockholm zog Sara nach New York, wo sie heute in einem Studio an der Lower East Side arbeitet. „New York hat immer noch etwas Magisches für mich. Es beruhigt mich auf eine eigenartige Weise. Immerhin ist es eine sehr laute Stadt, in der ständig etwas passiert.“

    Als sie nach New York kam, tat sie sich mit der Designerin Carin Rodebjer und der Illustratorin Liselotte Watkins zusammen. „Liselotte und ich hatten dieselbe Agentin und sie hat für mich einen Auftrag für die Vogue organisiert. Dieser Auftrag hat mir eine Menge Türen geöffnet und seither arbeite ich praktisch pausenlos.“

    Entdecken Saras Arbeiten unter www.illustrationdivision.com

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